Kapitel 3: In Pjöngjang und zum 38. Breitengrad

+++ Am Hauptbahnhof von Pjöngjang +++ Meine Reisebegleiter stellen sich vor +++ Im Hotel +++ 10.6.: Auf Tour in der Hauptstadt der Volksrepublik Korea +++ Sehenswürdigkeiten in Pjöngjang +++ 11.6.: Zum 38. Breitengrad +++ Weiter nach Kaesŏng und zurück nach Pjöngjang +++

Der Hauptbahnhof war großzügig angelegt, die Gleise überdacht – und ich gespannt, wie es nun weiterging. 

Vom Reiseservice hatte ich nur einen groben Ablaufplan für die kommenden Tage erhalten. Mein Warten dauerte nicht lange: Eine etwa Ende dreißigjährige Koreanerin sprach mich namentlich von hinten an und stellte sich als meine deutschsprachige Reiseleiterin vor. Frau Kim hatte in Pjöngjang Deutsch gelernt und beherrschte die Sprache perfekt. Vor dem Bahnhof lernte ich dann den englischsprachigen Reiseleiter und unseren Fahrer kennen. Ich hatte eine Einzeltour mit Fahrzeug gebucht – für die kommende Woche sollten diese drei Personen meine Begleiter sein.

Wir fuhren zum Yanggakdo International, dem zentralen Hotel für ausländische Gäste. 

Beim Einchecken gab ich meinen Reisepass ab. Mein Zimmer lag im 39. Stockwerk. Meine Reisebegleiter baten mich, in 30 Minuten nochmals in die Lobby zu kommen, um die nächsten Tage zu besprechen. Zunächst wurde die Reiseroute geklärt, dann erläuterten sie mir die Verhaltensregeln: Abbildungen der Staatsführer durften nur vollständig fotografiert werden. Militärpersonal und entsprechende Einrichtungen waren tabu. Broschüren oder Bilder der Staatsführer sollten nicht achtlos weggeworfen werden – falls ich sie nicht behalten wollte, sollte ich sie einfach liegenlassen. Ein recht überschaubarer Regelkodex, wie ich fand.

Nach der Besprechung begab ich mich in mein Zimmer. Die Stadtkulisse Pjöngjangs war beeindruckend. Das Hotel liegt direkt am Taedong-Gang, der imposant durch die Stadt fließt. Hochhaus reiht sich an Hochhaus – größtenteils offensichtlich Wohngebäude. Ich hielt an diesem Abend die Skyline mit der Kamera fest.

Am nächsten Morgen erkundete ich vor dem Frühstück das Hotel. Es war großzügig und eindrucksvoll gestaltet. Die verwendeten Materialien strahlten bauliche Eleganz aus – ein Ort, an dem sich Menschen wohlfühlen sollen. Im großen Frühstückssaal wurden Kaffee, Tee und ein reichhaltiges Buffet mit internationalen Speisen angeboten.

Nach dem Frühstück starteten wir unsere Stadttour. Wir besuchten den Kim-Il-sung-Platz zwischen der Studienhalle des Volkes und dem Juche-Turm. Der Platz hat gigantische Ausmaße und dient als Areal für Paraden und Aufmärsche. Mir fielen viele bunte Punkte und Kreuze auf – Orientierungsmarken für die Teilnehmer, wie mir erklärt wurde. 

Es folgte ein Pagodenbau mit der Pjöngjang-Glocke. 

Danach fuhren wir zum Mansudae-Großmonument mit den übergroßen Statuen von Kim Il-sung und Kim Jong-il. Vor dem Monument legten wir Blumen nieder; das Verbeugen war freiwillig. 

Anschließend besuchten wir den Studienpalast des Volkes – eine Mischung aus Volkshochschule und Bibliothek. Die Kurse waren gut besucht, die Ausstattung modern. 

Es folgte das Militärmuseum zum Koreakrieg mit US-Fahrzeugen und dem Spionageschiff USS Pueblo. 

Später hielten wir am 170 Meter hohen Juche-Turm und fuhren mit dem Fahrstuhl auf die Spitze. Der Ausblick über Pjöngjang war atemberaubend. 

Ein weiterer Abstecher galt der Metro mit ihren großen Hallen und liebevoll gestalteten Stationen. 

Den Tag beendete ich im Panorama-Restaurant auf der Spitze meines Hotels.

Am 11. Juni stand die Fahrt zur Grenze zwischen Nord- und Südkorea auf dem Programm. Noch in der Hauptstadt fiel mir eine Gruppe Frauen in Einheitskleidung auf, die auf einem kleinen Platz mit roten Fahnen Übungen machten. Frau Kim erklärte mir, dass dieser Hausfrauen-Motivationstanz jeden Morgen zwischen 8 und 9 Uhr an verschiedenen Orten der blockweise organisierten Stadt stattfindet. Die Teilnahme sei freiwillig und kostenlos – und offenbar beliebt.

Auf dem Weg zur Grenze hielten wir an einer Raststätte. Tee, Obst und sanitäre Einrichtungen standen zur Verfügung. 

Die Fahrt führte über gut ausgebaute Straßen zum 38. Breitengrad – der durch den Krieg entstandenen Grenze. 

Wir hielten in Panmunjeom, dem bekannten Grenzort. Beiderseits der Grenze stehen Gebäude und Baracken.

In einem der Räume nahmen Mitglieder mehrerer Reisegruppen Platz. Uns wurde die Bedeutung des Ortes erläutert, und wir konnten mehrere Punkte der Anlage besichtigen. Dabei lernte ich einen Grenzsoldaten kennen, der sich gerne mit mir fotografieren ließ. Wir unterhielten uns auf Englisch. Er interessierte sich für meine Herkunft und stellte Fragen zur DDR und zur Bundesrepublik.

Der Ausflug führte weiter in die fünftgrößte Stadt Nordkoreas – nach Kaesŏng, acht Kilometer von Panmunjeom entfernt. Auf der Fahrt dorthin wurde in einem Restaurant ein wunderbares Mittagessen serviert. Das war auf dieser Reise üblich: An allen Tagen wurden Speisen in örtlichen Gastronomien gereicht – vorbestellt und im Reisepreis enthalten.

Kaesŏng ist ebenso gepflegt wie Pjöngjang. Auf den Straßen sind kaum Autos zu sehen. Die Idee, dass jeder Mensch ein eigenes Fahrzeug benötigt, existiert hier nicht. Frau Kim erklärte, dass sich gelegentlich mehrere Personen ein Auto teilen – doch das sei selten, da der Nahverkehr gut ausgebaut und günstig sei und die Menschen wohnortnah arbeiten. Ich beobachtete, dass auch Elektrofahrräder genutzt werden.

In der Stadt steht ein Flaggenhalter voller roter Fahnen – genutzt bei Paraden und Aufmärschen. In Europa wären sie wohl entwendet oder beschädigt worden. Vandalismus im öffentlichen Raum ist in der Volksrepublik unbekannt.

Aus Lautsprechern hallten koreanische Lieder durch die Straßen. Da wir gegen Mittag ankamen, waren die Straßen fast leer. In nordkoreanischen Städten füllen sie sich erst nach Feierabend – dann gehen die Menschen spazieren oder nutzen kulturelle Angebote. 

In Kaesŏng sah ich auch Stadtteile mit dörflichem Charakter. Die Orte wirkten durchgehend gepflegt. Es wird viel Wert auf eine einheitliche, ästhetische Gestaltung gelegt.

Auf der Rückfahrt besuchten wir ein historisches Hügelgrab – das Grab des Königs Gongmin, heute Teil des Weltkulturerbes. 

Der Weg zurück führte durch wunderschöne Landschaften und Reisfelder, vorbei am gewaltigen Denkmal für den Wunsch nach Wiedervereinigung. 

Am Abend fotografierte ich vom Hotelzimmer das im Abendlicht leuchtende Pjöngjang.