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Kapitel 10: Von Almaty nach Baku
+++ 7.7.: Mit dem Flugzeug über das Kaspische Meer nach Baku (Aserbaidschan) +++ 8.7.: Baku entdecken +++ Mit Pakistanern im Hostel debattieren +++ Mein Treffen mit Ishan +++ Ausflug zum Badestrand am Kaspischen Meer +++
Am Morgen des 7.Juli 2019 brachte mich der Hostelbetreiber mit dem Auto zum Flughafen. Der Flug führte über das Kaspische Meer – auf einer Luftlinie von rund 2.250 Kilometern – und landete in der Hauptstadt Aserbaidschans. Mit dem Taxi fuhr ich zu meinem vorab gebuchten Hostel, wo ich ein Einzelzimmer bezog. Nachdem ich mich eingerichtet hatte, begann ich meine Erkundungstour durch Baku.
Baku, mit über zwei Millionen Einwohnern etwa gleich groß wie Almaty, ist eine weiße Metropole. Viele zentrale Gebäude erstrahlen in hellem Glanz. Die Erdölförderung vor den Toren der Stadt hat Baku zu Wohlstand verholfen. Architektonisch ist die Stadt vielseitig: Monumentalbauten wechseln sich mit mondäner und historischer Architektur ab. Die Silhouette wirkt modern und weitläufig.
Doch es gibt auch Viertel, die sich der Moderne verweigern und die Ursprünglichkeit bewahrt haben. Besonders schön sind die alten Gebäude mit auffälligen Holzbalkonen.
Andere Bauwerke lassen sich dem Neugotischen oder Jugendstil zuordnen und verweisen auf die Ära der Ölbarone im russischen Zarenreich. Diese ließen ihre Proporzbauten oft von westlichen Architekten entwerfen. Die Stadt ist lebendig, mit modernen Fußgängerzonen und kleinen Verkaufsständen. Auch hier spielt sich das Leben auf der Straße ab. Menschen spielen Brettspiele, und zwei ältere Herren, die ich beim Melonengenuss fotografierte, boten mir sofort ein Stück an und freuten sich über mein Interesse. Wie in Bischkek und Almaty hatte ich das Gefühl, willkommen zu sein.
Zurück im Hostel wurde ich von einem Mitbewohner in die Küche eingeladen – ein Kellerraum mit großem Rundtisch. Dort saßen bereits sechs Männer und zwei Frauen, alle pakistanische Staatsbürger. Es wurde Tee gereicht, und bald entspann sich eine angeregte Diskussion über Weltanschauungen – Islam und Sozialismus. Ich vertrat die These, dass Menschen bereits im Diesseits ein gutes Leben führen sollten. Meine Gesprächspartner hingegen waren überzeugt, dass erst das Ende im Diesseits zu einem erfüllten Sein im Jenseits führe. Angesichts ihrer Lebenssituation – ein Leben am Rand der Gesellschaft in Aserbaidschan – überraschte mich diese Haltung nicht. Sie berichteten, dass sie Aserbaidschan als Grenzland zum Schengen-Raum gewählt hatten, in der Hoffnung, eines Tages weiter nach Europa zu gelangen.
Die Frauen wirkten auf mich zielstrebiger als die Männer. Beide arbeiteten in Baku, während die Männer eher abwartend lebten. Auch Ishan, der Betreiber des Hostels, nahm an der Diskussion teil. Er trug wie die anderen die traditionelle pakistanische Kleidung, war Mitte dreißig und sprach brauchbar Englisch. Für den nächsten Tag verabredeten wir uns zu einem Ausflug ans Kaspische Meer.
Am Mittag trafen wir uns in der Lobby. Ishan hatte seine traditionelle Kleidung gegen Jeans und T-Shirt getauscht – ich erkannte ihn kaum wieder. Mit der Straßenbahn fuhren wir zum Busbahnhof, von dort weiter mit dem Bus zu einem kleinen touristischen Ort außerhalb Bakus.
Der Sandstrand war weitläufig, gesäumt von Sonnenschirmen mit dem Charme der Siebzigerjahre. Der Strand war gut besucht.
Am Abend gingen wir essen. Währenddessen fragte mich Ishan, ob ich ihn heiraten würde.
Den folgenden Tag verbrachte ich erneut mit der Erkundung Bakus.
Schließlich hatte ich genug gesehen und begann, über die nächsten Etappen meiner Reise nachzudenken. Da eine Weiterreise nach Armenien politisch nicht möglich war, fiel mein Interesse auf Tiflis, die Hauptstadt Georgiens. Ich suchte einen Bahnhof auf und kaufte ein Zugticket für den nächsten Tag.
Am Morgen checkte ich aus, Ishan begleitete mich zum Bahnhof. Zunächst standen wir am falschen Gleis und mussten den Hochbahnsteig wechseln. Ishan kürzte den Weg, indem er über das Gleisbett lief. Ich folgte ihm und erklärte, dass dies in Deutschland verboten sei – worüber er sich sichtlich wunderte.
Auf dem Bahnsteig wartete eine Frau im Niqab. Ich fragte Ishan, ob ihm diese Form der Verschleierung gefalle. Seine Augen leuchteten, und er versicherte mir, dass Frauen sich gerne so kleideten und es für Männer besser sei, in einer Welt verschleierter Frauen zu leben – um nicht in Versuchung geführt zu werden. Ich entgegnete, dass es sinnvoller wäre, Männer mit Augenklappen auszustatten, statt Frauen in ihrer Freiheit einzuschränken. Der Zug fuhr ein, und ich war froh, das Gespräch beenden zu können. Ich begann meine Zugreise nach Tiflis.
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