Moldawien und Transnistrien
15.05.2024, 15:35
In 15 Minuten startet mein Flug von Düsseldorf aus nach Chisinau, der Hauptstadt Moldawiens.
Schon so lange möchte ich Transnistrien bereisen - dieses Ziel rückt immer näher. Ich freue mich!
16.05.2024
Bei einem wunderbaren Kaffee werde ich im gemütlichen Wintergarten meines Hostels langsam wach.
Nach meiner gestrigen Landung in Chisinau gegen 19:00 geht es am Flughafen zunächst zur Passkontrolle. Es dauert gut 30 Minuten, bis ich an die Reihe komme. Ich tausche noch eine kleine Summe Euro in die Landeswährung und gehe zur Bushaltestelle. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt kostet umgerechnet 30 Cent, man bezahlt im Bus bei einem mitreisenden Ticketverkäufer, der die gesamte Fahrt über im Bus hin und hergeht, um kleine Billets von einer Rolle zu verkaufen.
Nach einer holprigen Fahrt laufe ich in der fremden Stadt herum. Wo auch immer der Ursprung der Verwirrung lag - ich finde meine Unterkunft einfach nicht. Ich spreche einen freundlichen jungen Mann an, der mich ein Stück mit dem Auto mitnimmt. Während der Fahrt plaudern wir über sein Land. Er ist bereits in Tiraspol gewesen. Das ist einige Jahre her, ganz offensichtlich ist er kein Freund des Gebietes. Aber es sei sehr sauber, berichtet er.
Gegen 21:30 checke ich im Hostel ein und falle müde ins Bett.
Gegen 9:30 verlasse ich das Hostel. Nicht ohne dass der Hostelbetreiber - nachdem ich erklärt habe, dass ich vorhabe Transnistrien zu bereisen - beteuert, dass ich in Chisinau wohl all das finden könne, nach dem ich suche: Statuen von Marx, Lenin UND Engels und ein größeres Kriegsmuseum als in Transnistrien. Bestimmt überzeugend, dennoch mache ich mich zum Busbahnhof auf.
(Ein kleiner Insider zwischendurch)
Auf dem Weg zum Busbahnhof sind die Straßen voller Märkte. Das rege Treiben fühlt sich unaufgeregt an.
Am Busbahnhof warten viele Kleinbusse auf Reisende.
Ich frage mich durch.
Ein vermeintlich geschäftstüchtiger Herr bietet mir eine für mein Gefühl überteuerte Fahrt nach Tiraspol an. Der Preis kommt mir „spanisch“ vor, ich lehne ab. Nach kurzer Zeit erwerbe ich mit Hilfe eines netten Herren ein Ticket dessen Preis nur ca 1/4 des seinen Vorstellungen entsprechenden Preises beträgt und besteige einen kleinen Bus. Zu elft fahren wir los.
Inklusive Georgsband am Rückspiegel.
Moldawiens Landschaft
Nach ca einer Stunde Fahrt erreichen wir die Grenze. Ich hatte mir vorgenommen auf dem Weg entweder zu schreiben oder zu lesen oder zu schlafen. Nichts ist möglich - unser Fahrzeug scheint komplett stossdämpferbefreit zu sein.
Zusammen mit dem Zustand der Straßen bleibt allen Passagieren ausschließlich der Blick aus dem Fenster, inklusive sich darauf zu besinnen, dass diese Fahrt endlich ist. Zumindest geht es mir so.
An der Grenze steigen alle Mitreisenden aus. Der junge Mann der vor mir Platz genommen und wahrgenommen hat, dass ich mich hier wirklich nicht auskenne, erklärt mir, dass wir unsere Sachen im Bus lassen können. Der Grenzübertritt erfolgt unaufgeregt. Ich werde bei der Passkontrolle gefragt, wie lange ich vorhabe in Transnistrien zu verweilen. So etwa 3 - 4 Tage. Ok.
Die Reise setzt sich fort.
Wir überfahren den Dnister…
… und kommen gegen 13:00 Ortszeit in Tiraspol an.
Während der Fahrt steigt jeder auf der Strecke aus wo er möchte. Dazu setzt man sich kurz vorher auf den vorderen rechten Sitz und zeigt dem Fahrer das genaue Ziel an. Der junge Mann aus der Reihe vor mir kennzeichnet mir auf meiner Karte, wo ich am besten aussteigen solle. Der Bus leert sich, wir sind inklusive Fahrer nur noch zu viert. Ich begebe mich auf den vorderen Platz, der Fahrer fragt mich, woher ich komme. Daraufhin werden zwei drei Sätze zwischen den drei Herren gewechselt, sie lachen. Ganz offensichtlich unterhalten sie sich über mich. Ich schaue einen Mitreisenden lächelnd-fragend an, er übersetzt ins englische: „All Germans are bad“. So. Nun weiß ich Bescheid.
Mein Appartement ist nur noch etwa 5 Minuten entfernt. Elena übergibt mir die Schlüssel. Sie ist sehr sympathisch. Trotzdem wir keine gemeinsame Sprache haben verstehen wir uns prima.
Ich packe meine Sachen aus und mache mich auf den Weg um die Stadt zu erkunden.
Es gibt hier wahnsinnig viele Bäume. Die Freiflächen sind überwiegend gepflegt und üppig bepflanzt.
Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen:
Als ich mich an einen Tisch setzen möchte, hält mich eine andere Besucherin mit Gesten davon ab und zeigt nach links. Hier gibt es Selbstbedienung. Da das Restaurant recht verwinkelt ist hätte ich lange gewartet.
Nach dem Essen halte ich noch einige Eindrücke fest.
Ich setze meine Erkundungstour fort.
Es grünt und blüht
Und natürlich gibt es jede Menge Statuen und Ähnliches.
17.05.2024
Heute führt mich mein erster Weg an den Dnister.
Hier gibt es ein Georgisches Restaurant, das ich zum Brunch besuche.
Die eingelegten Auberginenstreifen mit Frischkäse-Knoblauch-Füllung sind der Hammer!
Nach dem Essen setze ich meinen Weg fort.
Und erreiche mein Ziel für den heutigen Tag
Gegenüber dem Parlament befindet sich der Helden-Friedhof mit der ewigen Flamme,
die Sankt-Georgs-Kapelle,
und das Tank-Monument
Für heute reicht es an Eindrücken.
Ich mache mich mit einem Podcast des dlf vom 03.06.2022 über Transnistrien auf den Weg zu meinem Apartment.
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/transnistrien-im-visier-russlands
Hier ist die sehr unterschiedliche Sichtweise der Journalistin zwischen 25:02 und 34:32 für mich interessant.
18. / 19.05.2024
Eindrücke aus Tiraspol. Es macht einfach Spaß hier zu sein.
20. / 21.05.2024
Da ich mich von dieser tollen Stadt nicht trennen möchte, verlängere ich meinen Aufenthalt und genieße. Es duftet immer wieder betörend.
Und noch ein paar Eindrücke.
Nach einer Mittagspause besuche ich ein Einkaufszentrum.
In den kleinen Buden auf den Straßen werden Eis und Bier verkauft.
22.05.2024
Heute ist Abreisetag. Ich fahre mit einem Taxi zum Flughafen. Der Fahrer stellt sich als Valery vor. Er ist ein Bär von einem Mann. Valery trägt eine dunkle große Sonnenbrille hat entweder einen Zahnstocher oder eine Zigarette im Mundwinkel und ein unglaublich bezauberndes Lächeln. Wir würden uns gerne unterhalten, das wird aber leider nichts. Sein Taxi ist ein mittelalter Opel und Valery zeigt auf den Tacho: wir fahren 100 km/h. Er lächelt und hält stolz einen Daumen in die Luft. Kurz vor der Grenze fragt er mich nach meinem Pass. Ich werfe das erste Mal einen Blick auf meine Migration Card. Als Abreisedatum ist da der 21. Mai notiert. Das war gestern. Ich gebe Valery Pass und Card und beschließe unschuldig zu gucken. Klappt - wir verlassen Transnistrien.
Gut eine Stunde später erreichen wir den Flughafen Chişinău.
Über Köln geht es dann nach Hause. Nicht ohne, dass ich meinen Anschlusszug wegen Signal-, Weichenstörung, Stau, vorausfahrendem Zug und anderem mehr verpasse..
Ich würde meine Bahnfahrten gerne im Nachhinein abhängig von der erbrachten Leistung bezahlen. Für diese Fahrt (der Anschlusszug hatte auch Verspätung) würde ich den Fahrpreis um 10% reduzieren. Na, vielleicht auch um 15%, wegen der nichtfunktionierenden Toiletten.