Kapitel 5: „Die Kinder sind der Schlüssel zur Zukunft“

+++ 13.6.: Parkanlage bei Pjöngjang +++ Sachertorte in der Volksrepublik +++ Der Moranbong-Park +++ Bildungseinrichtungen und Talentförderung +++ Theateraufführungen +++ 14.6.: Was gefällt den Menschen in der Volksrepublik Korea? +++ Allein im Einkaufszentrum +++ Der Kim-Gedächtnispark +++ Sportstraße in Pjöngjang +++ Kirmes und Erlebnisbad +++ Besuch einer Schule +++

Am Morgen des vorletzten Tages meines Aufenthalts in der Volksrepublik fuhren wir zu einer großzügig angelegten Parkanlage nahe Pjöngjang. Für europäische Maßstäbe fällt sofort auf, wie gepflegt die Anlage ist. Spuren von Verwahrlosung oder Vandalismus sucht man auch hier vergeblich. Das Areal ist als Ort der Begegnung konzipiert. Große Sitzgruppen sind harmonisch in das Landschaftsbild integriert. Zu diesem frühen Zeitpunkt war der Park nahezu menschenleer.

Zurück in der Stadt steuerten wir zu meiner Überraschung eine Filiale des „Café Sacher“ in Pjöngjang an. Mir war die Existenz eines solchen Cafés bislang unbekannt. Umso mehr wunderte ich mich über dieses Angebot Wiener Gastronomiekunst in der kommunistischen Volksrepublik. Wie viele Gäste vor mir hinterließ ich auf einer Serviette einen kleinen Gruß.

Anschließend besuchten wir den Moranbong-Park im Herzen Pjöngjangs. Auch dieser Park ist liebevoll gestaltet und hervorragend gepflegt. Junge Paare lassen sich fotografieren, Künstler arbeiten an ihren Zeichnungen, und auf den Wasserflächen entspannen sich Menschen in Ruderbooten.

Im Park befindet sich der Befreiungsturm zum Gedenken an die Soldaten der Roten Armee, die Pjöngjang besetzten und Korea zur Unabhängigkeit vom japanischen Kaiserreich verhalfen. Jahre später stieß ich in Wien auf eine weitere Erinnerungskultur für die Sowjetsoldaten, die den deutschen und japanischen Imperialismus in die Schranken gewiesen hatten. Auch dort gedenken die Menschen mit einem imposanten Denkmal den sowjetischen Soldaten. Beim Kaffee im Café Sacher in Pjöngjang dachte ich darüber nach, dass ich Wien gerne kennenlernen möchte – was ich einige Jahre später dann auch tat. Schön, wie sich Kreise schließen.

Es folgte der Besuch einer zentralen Bildungseinrichtung. Der Schülerpalast ist ein monumentaler Bau. Vor dem Mangyongdae-Schülerpalast steht eine Skulptur, die versinnbildlicht, dass Kinder der Schlüssel zur Zukunft sind.

Eine junge Schülerin führte uns durch das Gebäude. 

Die Kinder belegen dort Kurse in bildenden Künsten aller Art. 

Im Inneren befindet sich ein großer Theatersaal, in dem jeden Donnerstag eine professionelle Aufführung stattfindet. Die Akteure strotzen vor Selbstbewusstsein und werden vom Publikum gefeiert.

Nach der Aufführung fragte ich Frau Kim, ob die Teilnahme an den Kursen verpflichtend sei. Frau Kim, selbst Mutter eines Grundschülers, erklärte mir lächelnd, dass die Teilnahme freiwillig sei und ihr Sohn nachmittags lieber Fußball spiele.

Der letzte Tag in der Hauptstadt passte zu meiner Stimmung. Der Abschied rückte näher, und wir starteten in einen verregneten Morgen zu Ausflugszielen, die sich vor allem mit der Freizeitkultur der Volksrepublik beschäftigten. Was machen die Menschen nach der Arbeit, wo entspannen sie, und was sagt das über die Kultur einer kollektiven sozialistischen Gesellschaft aus? Wir fuhren zu einem Einkaufszentrum. Mir wurde angeboten, das Zentrum allein zu besuchen, und ich durfte meine Besuchszeit selbst bestimmen. Die Kamera sollte ich allerdings im Auto lassen.

Im gut besuchten Einkaufszentrum ging ich zunächst in den Supermarkt. Im Eingangsbereich befand sich eine große Auslage mit bunt verpackten Bonbons. Danach folgten die Abteilungen mit frischem Obst und Gemüse sowie Molkereiprodukten. Es gab auch zahlreiche Produkte in Gläsern und Konserven sowie eine große Auswahl an Kosmetikartikeln. Das Vorhandensein der Eigenmarke eines großen deutschen Lebensmittelkonzerns nahm ich überrascht wahr. Am Ende des Marktes befand sich die Getränkeabteilung, in der sowohl einheimische Produkte als auch Waren eines US-amerikanischen Herstellers erhältlich waren. Die Spirituosenabteilung erinnerte an deutsche Supermärkte und bot eine breite Produktpalette. Über eine Rolltreppe gelangte ich zur Abteilung für Möbel, Kleidung und Haushaltswaren. Ein schwedischer Möbelhersteller präsentierte in einer kleinen Ecke Produkte seines Hauses. In der dritten Etage waren zahlreiche kleine Gastronomiebetriebe untergebracht. Nach eineinhalb Stunden kehrte ich zum Auto zurück.

Unsere Fahrt führte uns zwölf Kilometer außerhalb von Pjöngjang nach Mangyongdae – dem Geburtsort von Kim Il-sung. Das Areal gilt als Wallfahrtsort. Über einen schön gestalteten Park gelangt man zu zahlreichen Orten der nordkoreanischen Erinnerungskultur. Die Besucher sind feierlich gekleidet, alle Altersgruppen sind vertreten, und ich durfte auch Militärpersonal fotografieren.

Zurück in Pjöngjang besuchten wir eine Straße mit zahlreichen Sporteinrichtungen. Die gängigen Sportarten – Handball, Basketball, Eissport und Schwimmen – haben jeweils eine eigene Halle, die der Bevölkerung gegen geringe Gebühr zur Verfügung steht.

Danach ging es auf einen Kirmesplatz. 

Anschließend in ein gigantisches Erlebnisbad. Das Bad beeindruckte durch seine Größe und Ausstattung. Es verfügte über einen Außen- und einen Innenbereich. Mir fiel auf, dass die Frauen keine Bikinis, sondern Badeanzüge trugen. Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass dies in Nordkorea üblich sei.

Neben Gastronomiebetrieben gab es auch einen Friseur. Entgegen verbreiteter Vorstellungen im Westen können dort die Frisuren selbstverständlich frei gewählt werden. 

Auf dem Dach des Bades befindet sich eine große Tennisanlage. 

Abschließend besuchten wir eine Schule in einem Stadtteil von Pjöngjang. Die Klassenzimmer verfügen über Balkone, und gepflegte Basket-, Volley- und Fußballplätze gehören zum Gelände. Diese werden auch nach Schulschluss intensiv genutzt. 

Das Innere der Schule ist gut strukturiert – überall hängen Lerntafeln. Ein Ort, an dem sich Menschen gerne aufhalten und der mit großer Sorgfalt gepflegt wird.

In den Treppenaufgängen hängt jeweils auf halber Höhe ein großer Spiegel – für mich ein warmherziges Detail, das die Eigenwahrnehmung der Kinder unterstützt.

In der Schule gab es eine kleine Aufführung der Schülerinnen und Schüler. Anschließend fuhren wir ins Hotel zurück – zu meiner letzten Übernachtung in der Volksrepublik Korea.