Kapitel 4: In die Provinz und zurück nach Pjöngjang

+++ 12.6.: In Namp’o +++ Dorf mit Gewächshäusern: Landwirtschaft in der Volksrepublik +++ Mineralwasser für die Bevölkerung +++ Was Nordkorea produziert: Ein Museum der besonderen Art +++ Wieder in Pjöngjang: Spaziergang am Nachmittag +++

Der vierte Tag in Pjöngjang begann mit einer wundervollen Morgenstimmung. 

Für diesen Tag war ein Ausflug nach Namp’o und weiter in die Provinz geplant – die Stadt liegt rund 55 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Auch diese Fahrt offenbarte mir erneut die landschaftliche Schönheit Koreas. 

In Namp’o angekommen, besuchten wir den Westmeerstaudamm, der das Hinterland vor Flutkatastrophen schützt und zugleich der Trinkwasserversorgung dient. Der Damm ist beeindruckend – 15 Kilometer lang – und verfügt über Schleusen für den Schiffsverkehr. Zudem befinden sich in der Stadt bedeutende Werftanlagen. Der Taedong-Gang mündet hier in die Westkoreanische See – ein Panorama von großer landschaftlicher Kraft.


Weiter ging es in ein Dorf mit landwirtschaftlicher Kooperative. Wir spazierten durch die Ortschaft.

Der Kindergarten der Kooperative fiel mir sofort ins Auge. Ich fragte, ob ich dort fotografieren dürfe. Frau Kim antwortete mit einem freundlichen „Natürlich“. Die Einrichtung verfügte über eine großzügige Außenanlage. Etwas später stellten sich die Erzieherinnen mit den Kindern vor dem Gebäude auf, um Turnübungen abzuhalten – ein Ritual, das laut Frau Kim zweimal täglich stattfindet.

Auf dem Weg zur Produktionsstätte sah ich, dass die Straßenränder für den Kohlanbau genutzt wurden. Kohl ist ein zentraler Bestandteil der koreanischen Küche, insbesondere für Kimchi. 

In der Kooperative wurden mir große Gewächshäuser gezeigt, in denen Gemüse angebaut wird. Zwischen den Gewächshäusern lagen Kohlfelder. Auch Schnecken werden gezüchtet – sie spielen eine Rolle im Reisanbau und dienen der biologischen Schädlingsbekämpfung.

Es war deutlich, dass das Land von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung geprägt ist. Frau Kim erklärte, dass Menschen auf dem Land weniger verdienen als in der Stadt. Zum Ausgleich erhält jeder Bauer eine Nutzfläche zur freien Verfügung – zur privaten Nutzung, zur Mitarbeit in der Kooperative oder auch zum brach Liegenlassen. Der Verkauf eigener Erträge auf kleinen Märkten ist ebenfalls möglich. Wir sprachen über die Versorgungslage des Landes. Frau Kim sagte, Nordkorea sei eine Nation der Landwirtschaft und daher stark vom Wetter abhängig. Bei extremen Wetterlagen könne es zu Notlagen kommen. An freien Tagen helfe die Stadtbevölkerung bei der Feldarbeit – organisiert über Busse, die blockweise eingesetzt werden. Rote Fahnen kennzeichnen die Einsatzorte.

Anschließend besuchten wir eine Mineralwasserfabrik. In modernen Anlagen wird das Wasser für den Eigenbedarf und den Export nach China aufbereitet. Eine Flasche kohlensäurehaltiges Wasser wurde mir geschenkt. Man bat mich, die leere Flasche im Auto zu lassen – auch in Nordkorea gibt es ein Pfandsystem. Die Quelle war liebevoll gestaltet.

Zurück in Pjöngjang besuchten wir die „Ausstellung der drei Revolutionen“. Im Eingangsbereich befindet sich eine große Saturn-Installation. 

Auf dem rund 100 Hektar großen Gelände zeigt die Volksrepublik ihre Konsumgüter und modellhaft ihre industriellen Anlagen. Ein Teil widmet sich dem Raumfahrtprogramm. 

Mich interessierten besonders die Alltagsprodukte: Kleidung, Möbel, Küchenutensilien, Musikinstrumente. Die Vielfalt beeindruckte mich – vor allem angesichts des Wirtschaftsembargos und der Zerstörung der Infrastruktur im Koreakrieg vor kaum siebzig Jahren.

Auf dem Weg in ein Wohnviertel beobachtete ich aus dem Auto, wie Straßenarbeiten von einem Arbeitskollektiv durchgeführt wurden. Frau Kim erklärte, dass solche Aufgaben gemeinschaftlich organisiert werden – ähnlich wie in der Landwirtschaft. Die Menschen setzen ihre Umgebung instand. Hier wird deutlich, warum es keinen Vandalismus gibt: Der öffentliche Raum wird als Teil der eigenen Lebenswelt verstanden – als Volkseigentum.

Den Nachmittag nutzten mein englischsprachiger Reiseleiter und ich für einen ausgedehnten Spaziergang durch die Hauptstadt. Ich erlebte erneut eine moderne, gut organisierte Metropole. 

Wir besuchten das Universitätsviertel mit seinen markanten Hochhäusern, in denen Hochschulpersonal und Professoren wohnen. Die Dächer dieser Gebäude sind in Form eines aufgeschlagenen Buches gestaltet.

Am späten Nachmittag füllten sich die Straßen mit Menschen, die von Arbeit oder Ausbildung kamen. Die gut gekleideten Einwohner bewegten sich in Gruppen durch die Stadt. Alles wirkte entspannt und harmonisch – eine große, ruhige Gemeinschaft, die ihren Alltag und ihre Freizeit gemeinsam und zielgerichtet gestaltet.

Ein eindrucksvoller Tag ging zu Ende. Mit meinem Reiseteam speiste ich zu Abend. Das vielfältige Menü wurde auf einem Drehteller in der Mitte des Tisches serviert. Jeder konnte mit seinen Stäbchen zugreifen. Die nicht verzehrten Speisen, so Frau Kim, werden an die Mitarbeitenden des Restaurants verteilt.