Erscheint bald
Trauertagebuch
Annette Boll
Jeder Mensch trauert anders. In den verschiedenen Phasen der Trauer halten wir uns unterschiedlich lange auf. Wir spüren die Wut, die Verzweiflung, die Ohnmacht, die Traurigkeit unterschiedlich intensiv.
Allen gleich ist, dass unsere Trauer Zeit braucht. Zeit um unser Gleichgewicht wieder erlangen zu können, Zeit um unsere Seele zu trösten, Zeit um uns neu zu finden.
Im gesunden Trauerprozess können uns liebe Menschen unterstützen, vielleicht ist eine Trauergruppe hilfreich.
Auch Rituale leisten hier ihren Dienst.
Dieses achtsam gestaltete Trauertagebuch soll ein Begleiter durch das erste, wohl das schwerste Jahr des Abschiednehmens sein. Es fordert uns auf innezuhalten, uns auf uns zu besinnen, täglich ein paar Minuten uns ganz unserem Schmerz, der Einsamkeit und der Neuorientierung hinzugeben.
Bewusst lässt die Fotografin die Fotoreihe im Herbst beginnen, der dunklen, tristen Jahreszeit, um dann nach etwa 180 Tagen die ersten Knospen zu zeigen. Das Leben gewinnt wieder am Kraft und Zuversicht. Die Tage werden länger.
Vielleicht haben auch Sie hier Ihren Lebensmut wiedergefunden und fühlen sich etwas stabiler. Haben sich eingerichtet in dem neuen Leben, das vor einiger Zeit noch so hoffnungslos erschien.
Halten Sie an sich fest, glauben Sie an Ihre Stärke und wertschätzen Sie Ihre Gefühle, sie sind alle wichtig.
Christine Feldmann
Hebamme und Trauerbegleiterin
Er ist tot.
Er wird nie wiederkommen.
Und ich konnte mich nicht verabschieden.
Und jetzt?
Als ich vor Jahren fassungslos in der plötzlichen Leere schwebte kam irgendwann die Idee zu diesem Projekt.
Ich fühlte, dass ich wieder Struktur in meinem Leben brauchte. Ein Gerüst, an dem ich mich festhalten konnte.
Außerdem wollte ich buchstäblich wieder in Bewegung kommen.
Als Fotografin ist natürlich die Kamera ein fester Bestandteil aller Überlegungen.
Ich ging jeden Tag um elf Uhr zu einem schönen historischen Friedhof, um dort verschiedene Fotostrecken zu erstellen.
So sind innerhalb eines Jahren 25 verschiedene Reihen entstanden, die jeweils ein Motiv im Jahreslauf zeigen.
Ich ging bei Wind und Wetter, egal wie ich mich fühlte, immer den gleichen Weg. Die Bewegung tat gut. Das Ritual half mir meine Trauer in den Griff zu bekommen.
In dem Jahr gab es auf meinem täglichen Gang verschiedene Begegnungen:
Eine Frau, die regelmäßig Tai Chi auf einer Wiese machte.
Ein Liebespaar, das sich hier bei schönem Wetter heimlich traf.
Eine nette Frau vom Grünflächenamt, die mir nach einigen Monaten sagte, dass sie sich auf das Resultat meiner regelmäßigen Runde freue.
Und ein Mann, der seine tägliche Flasche Rosé an immer der gleichen Stelle leerte.
Begegnungen, die berühren.
Jahre später ist mein Leben neu sortiert.
Diese eine Leere wird bleiben.
Doch andere Bereiche sind ausgefüllt.
Das Leben geht weiter.
Annette Boll
Fotografin
Tag 1
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Tag 45
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Tag 90
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Tag 180
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