20.03. - 27.03.2024
Polen und die Ukraine
Die Gedenkstätte Auschwitz
Wie lebt es sich in einem Ort mit dieser Geschichte?
Das gelassene und gepflegte Kleinstädtchen Oswiecim (Auschwitz):
Um 09:31 verlässt mein Zug Oswiecim in Richtung Krakau. Pünktlich setzt er sich in Bewegung – sollte mir dies auf meiner Reise außerhalb Deutschlands einmal nicht passieren, werde ich es vermerken; ich bin mir sicher, dass es nicht vorkommen wird.
Um 10:33 treffen wir in Krakau ein. Der Bahnhof mit dem angrenzenden, dreigeschossigen, glitzernden Konsumtempel ist so gewaltig groß, dass ich ihn in den gut anderthalb Stunden bis zur Abfahrt meines Busses nicht vollständig besichtigen kann.
Um 12:15 startet der Bus nach Lwiw. An Bord befinden sich fast ausschließlich - bis auf 2 Männer - Frauen, die entweder sehr jung (Mitte / Ende 20) oder eher älter (60 - 80) sind.
Vor Abfahrt wird der erste Blick in unsere Pässe geworfen. Die Fahrt verläuft unaufgeregt.
Kurz vor der Grenze beobachte ich die Mitreisenden. Von meinen bisherigen Grenzüberfahrten mit Bussen kenne ich es, dass der Bus an der Grenze verlassen werden muss. Hier scheint es anders zu sein, keiner packt, alle bleiben entspannt sitzen.
Um 15:30 erreichen wir die polnische Grenze. Unsere Pässe werden eingesammelt, der freundlich schauende Mann verschwindet mit unseren Dokumenten.
Um 16:10 werden die Pässe neben dem Bus an unseren Busfahrer übergeben, der sie Reihe für Reihe wieder aushändigt.
Wir rollen langsam auf die ukrainische Grenze zu. Die anderen wartenden Autos haben fast ausnahmslos ukrainische Kennzeichen. Ich mache aber auch zwei Autos aus Deutschland aus.
Eine erneut freundlich schauende Grenzbeamtin sammelt unsere Pässe ein, auch sie lässt uns wartend zurück. Was beim letzten Mal 40 Minuten dauert, ist hier nach knapp 30 Minuten erledigt.
Unsere Fahrt setzt sich fort. Wir passieren die lange Schlange der Ausreisenden. Ich bin gespannt, was mich dort in ein paar Tagen erwartet.
Um 19:15 erreicht der Bus sein Ziel neben dem Hauptbahnhof in Lwiw. Ich betrete den Bahnhof und schaue nach einer Wechselstube. Von hier werde ich zu einem gelben Gebäude draußen links geschickt. Dort werde ich nicht fündig, allerdings vernehme ich eine kleine Gruppe Menschen, die meine Sprache spricht und die offensichtlich das gleiche Ziel hat. Ich spreche sie an und wir suchen gemeinsam. Wir kommen ins Gespräch. Sie berichten, dass sie vor 24 Stunden gemeinsam aus verschiedenen Städten aus dem Ruhrgebiet gestartet sind, um Hilfsgüter und Fahrzeuge nach Lwiw zu bringen. Wir finden die Wechselstube, jeder tauscht, wir trennen uns, jeder zieht seiner Wege.
Ich entscheide mich für einen mit 45 Minuten angezeigten Fußmarsch zur vermeintlichen Adresse meines Hotels.
Dort werde ich aber nicht fündig. Ich suche ein bisschen, frage in einer Konditorei nach meinem Hostel - ohne Erfolg. Meine Idee doch noch einmal meine Mails zu checken erhält die Lösung: die auf der Buchungsplattform von mir angesteuerte Adresse ist nicht korrekt, die richtige Adresse, die mir vor einigen Tagen per Mail mitgeteilt wurde ist zehn Minuten mit dem Auto von hier entfernt. Ich spreche einen jungen Mann auf der Straße an. Er bestellt mir ein Uber-Taxi und wartet mit mir auf den Wagen. In diesen Minuten erzählt er mir aus seinem Leben. Er ist 22 Jahre alt, hat irgendwas mit Mechanik studiert und orientiert sich seit einem Monat neu. Das Leben in einem Land, in dem Krieg herrscht lässt ihn umdenken. In der letzten Nacht gab es Alarm, Drohnen überflogen die Stadt. Er möchte das Leben - wie lange es wohl für sein junges Alter noch dauern mag - so leben, wie er es für richtig hält. Er erzählt so wunderbar warm und offen. Das Taxi kommt an, wir umarmen uns herzlich zum Abschied; eine Begegnung die so großartig und berührend ist, wie sie nur auf Reisen zu erfahren ist.
Der Taxifahrer spricht leider kein Englisch, die Fahrt verläuft ohne Kommunikation.
Nach zehn Minuten Fahrt, die umgerechnet 2€ kostet, komme ich am Hostel an, ich checke ein und beziehe um 21:15 meine Kapsel.
23.03.2024
Ich wache erholt um 8:00 auf, mache mich fertig und beginne den Tag mit einem kleinen Kaffee im angrenzenden Bistro.
Dann geht’s los, ich verlasse das Hostel nach links und lasse mich treiben.
Fast überall stapeln sich Sandsäcke vor den Kellerfenstern.
Offensichtlich auch an einer Schule.
Auf meiner Tour entdecke ich einen kleinen Bazar.
Lwiw von oben.
Mittagspause
Den Nachmittag verbringe ich in der schönen Altstadt.
Immer wieder Straßenmusikanten
Vor und in den Kirchen werden die Kostbarkeiten geschützt.
24.03.2024
Heute zieht es mich auf den Schlossberg. Auf meinem Weg dorthin komme ich an zwei Kirchen vorbei. Dort finden zu der Zeit Gottesdienste statt, die Kirchen sind sehr gut besucht. Die zweite sogar so sehr, dass Menschen draußen stehen, die Andacht wird über Lautsprecher übertragen.
Weiter geht’s zum gut besuchten Schlossberg. Hier gibt es einen Kreuzweg, eine tolle Aussicht über die Stadt und ein Restaurant, das mich zur Mittagspause lockt.
Nach dem Essen setze ich meinen Weg fort.
Und finde mein Ziel: ein schöner kleiner Waldfriedhof.
Nun wollte ich ursprünglich den Lützenhofer Friedhof besuchen, der im Internet als sehr sehenswert beschrieben wird. Schon von weitem konnte ich die hohe Friedhofsmauer sehen.
Vor meinem eigentlichen Ziel:
25.03.2024
Ich beschließe heute nach Polen zurückzufahren und buche ein Busticket nach Kattowitz. Vor der Abfahrt bleibt noch Zeit, um den Lemberger Hauptbahnhof anzuschauen.
Um 13:15 beginnt die Fahrt mit 30 Minuten Verspätung. 1 1/2 Stunden später erreicht unser Bus die Grenze. Dieses Mal überqueren alle Reisenden beide Grenzübergänge mit gesamtem Gepäck zu Fuß. Unsere Pässe werden kontrolliert, an der polnischen Grenze das Gepäck durchleuchtet, der Bus mit Taschenlampen überprüft.
Nach 2 1/2 Stunden fahren wir weiter Richtung Kattowitz.
Wir erreichen unser Ziel gegen 21:15.
26.03.2024
Ein Tag in Kattowitz.
Diese Stadt umfasst die Hälfte an Einwohnern meiner Heimatstadt Hannover.
Und wirkt so anders.